Die "Arisierung" des Geschäftshauses Kaufingerstrasse in München

Julius und Else Basch waren Eigentümer eines Geschäftshauses, das an einer der Haupteinkaufsstraßen Münchens lag. Nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde Julius Basch, wie viele tausend andere jüdische Geschäftsleute in Deutschland, in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Auf Entlassung konnte in solchen Fällen nur hoffen, wer glaubhaft versicherte, umgehend aus Deutschland zu emigrieren. Damit waren erhebliche Kosten für die Auswanderung und für eine Vielzahl diskriminierender Abgaben und Sondersteuern verbunden.


Das Geschäftshaus Kaufingerstraße in München wurde 1940 durch Kauf "arisiert" und nach 1945 Gegenstand eines Wiedergut-machungsverfahrens (Süddeutscher Bilderdienst)

Die Eheleute Basch beschlossen daraufhin, zu ihrem in den USA lebenden Sohn auszuwandern. Das Geschäftshaus verkauften sie an die Vermögensverwertung München GmbH. Diese Institution war von NSDAP-Funktionären gegründet worden und hatte die Funktion, Vermögenswerte und Unternehmen der jüdischen Münchener zu "arisieren". Julius Basch durfte bei dem Verkauf seine Interessen nicht selbst vertreten. Er stand unter Kuratel eines von der Partei bestimmten "Treuhänders." Dieser verkaufte das Gebäude im Januar 1940 an die Allianz. Der dabei festgelegte Preis blieb auch während des Restitutionsverfahrens in der Nachkriegszeit kontrovers. Er lag einerseits über der behördlich fixierten Einheitspreisbewertung aus dem Jahr 1935, jedoch deutlich unter einem Kaufangebot, das die Stadt München 1937 an Julius Basch gerichtet hatte. Dieses Angebot hatte Julius Basch abgelehnt.

1949 forderte der in den USA lebende Sohn des Ehepaars Basch die Rückerstattung des einstigen Besitzes seiner Eltern. Die Allianz einigte sich dabei mit ihm auf einen Vergleich. Sie leisteten in Ergänzung zu dem 1940 entrichteten Preis eine Zahlung von 1,1 Millionen DM.