Die "Arisierung" jüdischen Eigentums

Die nationalsozialistische Wortschöpfung "Arisierung" beschreibt den Prozess der Verdrängung der Juden aus ihren beruflichen Stellungen und dem Erwerbsleben allgemein. Die "Arisierung" umfasste sowohl illegale als auch staatlich sanktionierte Maßnahmen wie Entlassungen, Berufsverbote, die Einschränkung gewerblicher Tätigkeit und die teils erzwungene Übertragung von Rechten und Eigentum an nichtjüdische Deutsche.


Formular zur Registrierung des Vermögens der jüdischen Bürger (1938) (Landesarchiv Berlin)

Bis 1937 fanden unsystematisch anmutende antisemitische Einzelaktionen statt, die bereits die Existenzgrundlagen der Mehrzahl der noch in Deutschland lebenden Juden bedrohten. Das Jahr 1938 markierte jedoch eine radikale Zuspitzung der Situation. Zunächst wurden alle jüdischen Vermögenswerte registriert. Mit diesen Informationen betrieben Parteistellen gemeinsam mit den Behörden die flächendeckende pseudolegale Übertragung jüdischer Unternehmen an nichtjüdische Eigentümer.

Nach der Pogromnacht von November 1938 wurde diese Vorgehensweise mittels zusätzlicher Gewalt und einer Vielzahl neuer Rechtsvorschriften beschleunigt. Bereits zum Jahreswechsel 1938/1939 waren die meisten jüdischen Unternehmen in Deutschland und Österreich "arisiert" oder geschlossen. Hatten die jüdischen Eigentümer in den früheren Jahren zumindest Teile des Wertes ihres Besitzes beim "Verkauf" erlösen können, so gewann die "Arisierung" in der Situation des Jahres 1938 zunehmend den Charakter einer staatlich organisierten Enteignung.