Die Zerstörung der Existenzgrundlage der jüdischen Bevölkerung

Der rassisch-völkische Antisemitismus war ein wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie. Mit der Übernahme der Regierungsgewalt durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde dieser Antisemitismus ein prägendes Merkmal beim Aufbau des totalitären Staates. Er wurde eine der Leitlinien der deutschen Politik.


Antisemitisches Boykotttransparent in Glowitz (ca. 1933) (Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin)

Ziel dieser Politik war, die jüdische Bevölkerung aus der deutschen Gesellschaft auszustoßen. Bevor die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg dazu übergingen, die Juden Europas systematisch zu ermorden, hatten sie die wirtschaftlichen Existenzgrundlagen der jüdischen Bürger durch Willkürakte und immer radikalere Diskriminierungsgesetze zerstört.

Den Anfangspunkt bildete ein reichsweiter Boykott jüdischer Geschäfte, Arztpraxen und Anwaltskanzleien am 1. April 1933. Im Verlaufe der 1930er Jahre griffen die Behörden, Sicherheitsorgane und Parteiorganisationen zu immer brutaleren Maßnahmen: Jüdische Angestellte wurden aus dem öffentlichen Dienst entlassen, Bürgerrechte wurden ihnen aberkannt, jüdische Unternehmen wurden durch wilde Boykotte geschädigt und in den Massenmedien wurde antisemitische Hetze betrieben.