Die Rolle der Unternehmen bei der Wiedergutmachung

Der Versuch einer materiellen Wiedergutmachung für die Opfer des NS-Regimes war eine der dringendsten Aufgaben des neuen deutschen Staates. Darüber hinaus war sie eine umfassende Herausforderung für die deutsche Gesellschaft.

Die gesamte Wirtschaft, somit auch die Allianz, hatte sich mit Ansprüchen und Forderungen der Opfer von politischer Verfolgung und wirtschaftlicher Ausplünderung auseinander zu setzen. Dies betraf konkret den Umgang mit den Interessen ehemaliger jüdischer Mitarbeiter, mit jüdischen Alteigentümern "arisierten" Eigentums und jüdischen Inhabern von Lebensversicherungspolicen.


Die Allianz berechnet den Wert einer vom nationalsozialistischen Staat konfiszierten Lebensversicherung für das Entschädigungs- verfahren

Forderungen jüdischer Kunden gegen die Allianz aus noch offenen Lebensversicherungspolicen gab es nur selten. Dies lag vor allem daran, dass ein Großteil der Policen von den jüdischen Inhabern in den 1930er Jahren rückgekauft worden waren. Die Allianz hatte diese Versicherungen dabei ausbezahlt und die Verträge waren somit beendet. Für verfolgungsbedingte Schäden aus der vorzeitigen Kündigung von Policen - deren Erträge dann vom Staat dem Eigentümer entzogen wurden - hatten die Policeninhaber und ihre Angehörigen Anrecht auf Wiedergutmachung durch die Bundesrepublik Deutschland.

Policen, die bis 1941 vom Inhaber nicht rückgekauft worden waren, beschlagnahmte der NS-Staat direkt. Nach der Konfiszierung mussten die Unternehmen die Lebensversicherungen an die Finanzbehörden auszahlen.
Hingegen gab es mehrere Entschädigungsforderungen an die Allianz, die aus "Arisierungen" resultierten. Diese Ansprüche wurden meist in den 1950er oder 1960er Jahren geklärt.

1949 forderte so zum Beispiel der in New York lebende Sohn von Else und Julius Basch die Rückerstattung des Wohn- und Geschäftshauses, das die Allianz 1940 von der für "Arisierungen" zuständigen "Vermögensverwertung München" gekauft hatte. Die Allianz einigte sich auf einen Vergleich mit dem Sohn von Else und Julius Basch. Sie leistete in Ergänzung zu dem 1940 entrichteten Preis eine Zahlung von 1,1 Millionen DM.