Dimensionen und Grenzen

Die Dimensionen des Verbrechens, die Deutschland zu verantworten hatte und das Ausmaß an Leid, das den Hinterbliebenen der Millionen von Opfern zugefügt worden war, machte eine vollständige Wiedergutmachung unmöglich. Zumindest sollte den ethischen Standards, die die nationalsozialistische Gesellschaft durch die Shoa beseitigt hatte, wieder Geltung verschafft werden.

Die neu gegründete Bundesrepublik Deutschland sah sich in der Nachfolge des NS-Unrechtsregimes. So stellte sich die Bundesrepublik Deutschland ihrer geschichtlichen Verantwortung, indem sie zumindest Angebote zur materiellen Entschädigung entwickelte. Der Grundgedanke dabei war, die Geschädigten mittels finanzieller, rechtlicher und ideeller Leistungen mit vergleichbaren nichtgeschädigten Bevölkerungsteilen gleichzustellen. Auch außenpolitische Interessen beeinflussten die Politik der Wiedergutmachung. Sie war auch ein Instrument, um die Rückkehr des neuen deutschen Staates als gleichberechtigtes Mitglied in die internationale Gemeinschaft der Völker vorzubereiten.


Behördenschild der bayerischen Entschädigungsbehörde

Die Opfer der Verfolgung oder ihre Nachkommen hatten Anspruch auf die Rückerstattung verlorenen Eigentums sowie finanzielle Entschädigung für den Verlust von Freiheit und Besitz, Schädigung der Gesundheit und entgangene Einkommens- und Ausbildungschancen. Das schließt auch die Entschädigung von Zwangsabgaben, wie die Reichsfluchtsteuer und die Vermögensabgabe von 1938 ein.

Insgesamt wurden im Rahmen dieser Programme etwa vier Millionen Entschädigungsansprüche geltend gemacht. Bis Ende 2011 zahlte die Bundesrepublik weltweit Leistungen zur materiellen Wiedergutmachung in Höhe von etwa 69 Milliarden Euro. Die Zahlungen gehen weiter.