Grenzen der Entnazifizierung

In der amerikanischen Besatzungszone wurde die Entnazifizierung zunächst mit großem Aufwand und Engagement umgesetzt. 1946 übertrug die Militärregierung die Überprüfung der Beschuldigten per Gesetz an deutsche Prüfungsausschüsse. Die Spruchkammern verhängten Sühnemaßnahmen wie Freiheitsstrafen, Beschränkungen der beruflichen Tätigkeit oder Geldbußen. Vor dem Hintergrund der eskalierenden Konfrontation zwischen Ost und West beendete die amerikanische Militärverwaltung die Entnazifizierung jedoch im Frühjahr 1948.


Karikatur zur Entnazifizierung (1948) (Haus d. Geschichte d. Bundesrepublik Deutschland, Bonn)

Zu diesem Zeitpunkt waren die Untersuchungen gegen viele schwer belastete Personen noch nicht abgeschlossen. Je länger sich die Verfahren hinzogen, desto größer wurde für die Beschuldigten die Chance, ein mildes Urteil zu erhalten.

Vor dem Hintergrund des kalten Krieges und dem Primat des Wiederaufbaus wurde die juristische und politische Aufarbeitung der individuellen Schuld der Deutschen zweitrangig. Die politische und moralische Wirksamkeit des Programms ist umstritten: "Mitläuferfabrik" nannten Kritiker das trotz seiner Unzulänglichkeiten und Versäumnisse bis dahin historisch einzigartige Projekt.