Schuld und Sühne: das System der Entnazifizierung

Nach der Befreiung Deutschlands im Mai 1945 starteten die alliierten Mächte ein umfassendes Programm der Entnazifizierung. Der Sinn dieses Projektes bestand darin, das nationalsozialistische Gedankengut aus dem politischen, wirtschaftlichen und geistig-kulturellen Leben zu beseitigen. Zunächst wurden die NSDAP und ihre Untergliederungen verboten, NS-Gesetze aufgehoben und die äußeren Zeichen und Symbole des Nationalsozialismus entfernt.


Meldebogen zur Erfassung von Informationen für das Entnazifizierungsverfahren

Den Schwerpunkt des Programms bildete die systematische Überprüfung aller Mitglieder der NSDAP: Die Parteimitgliedschaft wurde als Kriterium für ihre Entlassung aus Leitungspositionen der Wirtschaft und öffentlichen Ämtern definiert.

Auch eine Reihe von Managern der Allianz mussten sich der Entnazifizierung stellen. Von den etwa 240 verbliebenen Berliner Mitarbeitern der Allianz wurden im Rahmen der Entnazifizierung 31 Personen entlassen.

Alle betroffenen Deutschen mussten einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen. So sollte ihre individuelle Verantwortung oder Schuld für die Verbrechen der Nazi-Zeit ermittelt werden.

Ein Gesetz der amerikanischen Militärregierung teilte die Verantwortlichen in fünf Gruppen ein:
1. Hauptschuldige, 2. Belastete, 3. Minderbelastete,4. Mitläufer, 5. Entlastete.

Bis 1949 wurden so über sechs Millionen Deutsche überprüft. Die Entnazifizierungsbehörden fällten etwa 1,2 Millionen Urteile: mehr als eine Million Überprüfte wurden als Mitläufer eingestuft. Dem standen knapp 2.000 "Hauptschuldige" und etwa 25.000 als "belastet" beurteilte Personen gegenüber.