Die Geschäftsleitung der Allianz

Der Nationalsozialismus beeinflusste das Arbeitsklima und die ethischen Standards in der gesamten Wirtschaft. Dies wirkte sich auch auf das Verhalten und die Beziehungen zwischen den mehr als 10.000 Mitarbeitern der Allianz aus.

 

Die Geschäftsleitung der Allianz

1933 wurde Hans Heß Nachfolger von Kurt Schmitt im Amt des Generaldirektors der Allianz. Gemeinsam mit ihrem Vorstandskollegen Eduard Hilgard prägten sie maßgeblich die geschäftliche Entwicklung und die politisch-gesellschaftliche Position des Unternehmens bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Kurt Schmitts energischer Expansionskurs in den 1920er Jahren hatte die Allianz zur größten Versicherungsgesellschaft Deutschlands werden lassen. 1933 wurde Schmitt Wirtschaftsminister in der Regierung Adolf Hitlers. Schon 1935 trat er von diesem Amt wieder zurück: Er konnte seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen nicht umsetzen und war gesundheitlich angeschlagen. Nach seiner Genesung arbeitete er zunächst wieder für die Allianz und wurde 1938 Generaldirektor der Münchener Rück.

Schmitts Nachfolger Hans Heß wahrte ein sehr distanziertes Verhältnis zum Nationalsozialismus. Er trat, anders als viele andere deutsche Unternehmensleiter, nicht in die NSDAP ein. Hans Heß konzentrierte sich auf Fragen der betriebsinternen Organisation und schuf dabei eine effiziente und langfristig tragfähige Struktur des Konzerns.

Eduard Hilgard flankierte als Verbandsfunktionär die Maßnahmen der Geschäftsführung. Er vertrat die Interessen der Privatversicherer gegenüber Staat und Partei. 1934 wurde Hilgard Leiter der neu gegründeten Reichsgruppe Versicherungen. Die Reichsgruppe war die gemäß der NS-Ideologie neugeschaffene Nachfolgeinstitution der früheren Spitzenverbände der Versicherungswirtschaft.