Die Sitzung im Luftfahrtministerium vom 12. November 1938

Im Reichsluftfahrt- ministerium in Berlin fand am 12. November die Sitzung zur Pogromnacht unter Leitung von Hermann Göring statt (Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz)

Auf den Pogrom folgten gesetzliche Anordnungen, die den Prozess der "Arisierung" forcieren, die Auswanderung der Juden beschleunigen und sie noch schärfer von der übrigen Bevölkerung isolieren sollten. Diese Anordnungen waren das Ergebnis einer von Hermann Göring einberufenen Konferenz, die am 12. November 1938 im Berliner Reichsluftfahrtministerium tagte.

Hermann Göring war es seit 1936 gelungen, sich neben seinen vielen offiziellen Ämtern faktisch als "Wirtschaftsdiktator" zu etablieren. Das Ziel seiner politischen Planung war die Mobilisierung der wirtschaftlichen Potenziale für den Krieg. Dazu sollte nun auch das Vermögen der jüdischen Bevölkerung herangezogen werden.

Unter Görings Regie berieten am 12. November etwa 100 Vertreter aus der Ministerialbürokratie und den Sicherheitsapparaten mit einzelnen Experten aus der Wirtschaft über die Folgen des Pogroms. Konkretes Resultat der Konferenz waren folgende Maßnahmen:

  • Unter dem Vorwand einer Wiedergutmachung für den Mord an Ernst vom Rath wurde der gesamten jüdischen Gemeinde eine sogenannte "Sühneleistung" auferlegt. Dies war eine pauschale Zwangsabgabe von 1 Milliarde Reichsmark an den Staat.
  • Mit der ebenfalls nach dem 12.11.1938 von Göring erlassenen Verordnung zur "Wiederherstellung des Straßenbildes" konfiszierte das Reich alle eventuell existierenden Sachversicherungsansprüche deutscher Juden. Dies betraf nur die Fälle, in denen Versicherungsschutz gegen Schäden durch innere Unruhe bestand. Alle Ladenbesitzer wurden zur Reparatur sämtlicher Schäden an ihren Geschäften verpflichtet. Die zwangsweise "Arisierung" aller Gewerbebetriebe sollte schnellstmöglich fortgesetzt werden.

Eine Flut neuer diskriminierender Verordnungen folgte. Innerhalb weniger Wochen raubte das Regime der jüdischen Bevölkerung eine Fülle alltäglicher Rechte und Freiheiten.