Eduard Hilgard und die versicherungstechnischen Folgen des Pogroms

Am Vormittag des 12. November 1938 wurde Eduard Hilgard als Leiter der Reichsgruppe Versicherung zur Teilnahme an der kurzfristig anberaumten Sitzung ins Reichsluftfahrtministerium einbestellt. Herman Göring beschrieb den Pogrom als "umfangreiches wirtschaftliches Problem", dessen unterschiedliche Aspekte zu beraten seien. Eduard Hilgard wurde daher in seiner Funktion als höchster Repräsentant der privaten Versicherungswirtschaft zu dem Teil der Konferenz hinzugezogen, der sich mit Fragen der Versicherungshaftung für die materiellen Pogromschäden befasste. Genauere Informationen wie etwa zuverlässige Schadensschätzungen lagen Hilgard noch nicht vor.


Eduard Hilgard nahm als Leiter der Reichsgruppe Versicherung an der Sitzung im Luftfahrtministerium teil

In der Folge legte Göring als wichtigste Richtlinien für die Schadensregulierung fest:

  • alle Ansprüche von nichtjüdischen Geschädigten und jüdischen Versicherten mit ausländischer Staatsbürgerschaft mussten befriedigt werden,
  • alle Ansprüche jüdischer Geschädigter mit deutscher Staatsangehörigkeit wurden durch eine ministerielle Verordnung aufgehoben und dann vom Staat konfisziert.

Nach langwierigen Verhandlungen zwischen den Versicherern und der Ministerialverwaltung wurde erst im August 1939 eine abschließende Regelung beschlossen. Dabei gelang es Hilgard, die ursprünglichen Forderungen der Regierungsseite an die Versicherungsunternehmen erheblich zu reduzieren. Für die Ansprüche der geschädigten deutschen Juden aus der Pogromnacht, musste die Versicherungswirtschaft schließlich einmalig eine Pauschalsumme von 1,3 Mio. RM an das Reich zahlen. Ansprüche ausländischer Geschädigter wurden vertragsgemäß ausgezahlt.